Logbuch Tag eins

Urlaubstag #2, Milchkaffe, TAZ, und müde.

Gestern bin ich mal wieder durch München strawanzt. Haidhausen, Isar, E-Garten, Laim, Westend, Schwanthelerhoehe, Theresienwiese. Da kannst aber glauben, dass ich einiges gesehen hab. Angefangen hab ich im Venezia. Ich werd ja gleich 30 und dacht mir, was Bridged Jones kann kann ich noch besser und wollt den Tag mit einem Spaghetti-Eis zum Frühstück beginnen… Kam mir dann doch wenig zielführend vor, also bliebs beim Milchkaffee. Hab die Leute beobachtet, irrsinniges Treiben um halb zehn. Mit meiner lieben Mam telefoniert, Warnungen vor der Sonne bekommen, trotzdem zur Isar in dem festen Glauben, mein langärmliges Shirt würde mich vor selbiger schützen. Leider die kuze Hose und den Nacken vergessen. Entschuldigung. Auf dem Weg zur Isar noch an meinem Lieblings „Buchladen“ vorbei. In der Lothringerstrasse gibt es einen Laden, der hat einen Blumenkasten draussen voll mit Büchern, da kann man sich was aussuchen udn dann soviel Geld einwerfen wie es einem Wert ist. Hab zwei gefunden, zu den anderen zwei in die Tasche gesteckt und bin weiter. Hat sich so viel verändert da. Und trotzdem fühl ich mich daheim.

Keine Wehmut, heute Urlaub, Sonne, Entspannung.

Stundenland an der Isar gelegen und gelesen. Eine Entenmama kam mit ihren zwei Kiddies angeschwommen, wollte gerade bei mir aus dem Wasser – ich natürlich Foto gemacht – als sie wie wild das zetern anfängt. Dachte, oh weh, hab ich sie geärgert wegen Recht am Bild und so. Ne, war der Hund hinter mir… Mit lautem gequake ans andere Ufer. Quietschende Teenies haben mich dann gefragt „Koennen sie ein Photo von uns machen“ hmpf, na klar. Mir war nicht klar, dass ich schon so erwachsen wirke…

Aufbruch. Über die Stoenerbrücke – auf der Pärchen wohl Schloesser als Zeichen ihrer Verbundenheit hinterlassen – Richtung Lehel. Kam zur Versicherungskammer und hab mir die Ausstellung „Berlin Zeichnet“ angesehen, woah. Sehenswert. Klein aber fein. Und umsonst. Sehr inspirierend.

Weiter durch Lehel, so schick ist des fei ned. Ziemlich kaputt mancherorts. Aber so sympathisch, wird’s aber nimmer lang sein, nehm ich an. Zwischendrin das Lehel-Carree – ja toller Glasbau und so einsam und verlassen. Büros zu vermieten, sowas. Weiter zu den Surfern, immer wieder schoen. Diesmal nicht den gewohnten Gang durch den E-Garten. Am Haus der Kunst vorbei, 1 hinter mir gelassen. Und am Teehaus gelandet. Meine Güte! Da war ich vor über 20 Jahren mit meiner Tante und habe – für meine damaligen Geschmacksknospen – fürchterlichen Tee getrunken. Hatte leider nicht offen, aber dafür gab’s viele Voegel. Schoene Enten, Gänse und dazwischen eine Krähe. Die wollte nämlich auch baden. Ganz aufgeplustert stand sie so am Rand und unter Protest der Ente hat sie es dann doch gewagt. Lustiges Schauspiel. Und Gänsebabies!! Lohnt sich hinzugehen und es sich einfach in aller Ruhe anzusehen. Noch ein paar schimmernde Federn eingesammelt und weiter. An einem Baumstamm vorbei, den schon viele sich die ewige Liebe versprechende Menschen genutzt haben… Ob sich da manch einer oefter verewigt hat in unsere Singlehauptstadt?

Dann der rettende Anruf von A. Er ist zu Hause, bene. Hin und Akku laden, zu viele Fotos gemacht. Quatschen. Kennt ihr „into the wild“? Es ist nämlich schon so, dass ich mir manches Mal jemanden wünsche mit dem ich durch München streifen kann und all die Eindrücke teilen. Auch wenn ich es jetzt aufschreibe, ist es doch nur ein Bruchteil dessen was da draussen alles passiert.

Abends Richtung Gruppe gefahren. Bin ab Laimer Platz gelaufen. Auch weil ich noch jemanden besuchen wollte, der mir viel bedeutet. Meine Ex-Chefin nämlich. Kurios in Zeiten wie diesen, gell. Eine unglaublich liebe Frau, schwer krank. Da ich ihre Nummer nicht mehr hatte und sie seit Jahren nicht gesehen hab, bin ich einfach vorbei, hab geklingelt und eine riesen Freude hat mich empfangen. Es tut sehr weh zu sehen, wie die Krankheit und die Sorge sie gezeichnet haben. Dieser Staat ist so undankbar. Sozialhilfe für jemanden der ständig gearbeitet hat, und quasi unverschuldet pleite gegangen ist. Werde sie die Woche nochmal besuchen und sehen was ich für sie tun kann. Sicher nichts finanzielles aber Hilfe geht auch anders.

Ab Frühling werde ich meinen Suchhelferinnen Lehrgang beginnen, ich freu mich so. Eine so sinnvolle Aufgabe, man bin ich dankbar. Mir und all den Menschen die mir im letzen Jahr eine Stütze waren und es immer noch sind. Und das Freunde der Spaßgesellschaft werde ich in angemessener Form zurückgeben. Versprochen.

Später bin ich von der Westendstrasse zur Wiesn gelaufen. Mensch, den Strassenstrich hatte ich ja voellig ausgeblendet. Wurde giftig angesehen. Schnell weg. Feierwerk. Viele bunte Erinnerungen. Da hab ich dem Eddy auf die Schuhe gekotzt. Das ist eine von den weniger schoenen. Dafür nach zehn Jahren präsent wie nie, komisch. Ist es nicht erstaunlich, dass die MGS – Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung – einen Riesenbau mitten auf das Gelände platziert? Weiter, es dämmert langsam, ist ja schon halb zehn. Dieses furchtbar sterile Viertel rund um die Schwanthaler Hoehe. Es ist ekelhaft. Leerstand in den Büros. Und dahinter die Wohnsilos. Einer sieht aus wie der andere. Die riesen Mondsichel über allem. Runter zur Wiesn. So eine Ruhe und der warme Sommerwind streichelt mich. Neben mir immer noch die Sichel. Meine Begleiterin für den Moment. Blumentopf in den Ohren habe ich den Drang zu tanzen, tu ich dann auch. Durch die Nacht und die Ruhe. Geniesse die Erinnerungen an den Tag und fall schliesslich hundemüde in meine Sofakule bei A.

Das war Tag eins.

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