Archiv für Mai 2011

Nasser Hund riecht anders

Heute is so ein semi-toller Tag. Um ehrlich zu sein, war schon gestern eher mau. Ein Montag der mit Streit beginnt ist wunderbar. Wenn er dann noch mit einer 700 Euro Rechnung endet, dann verfliegt sogar mir mal das Lächeln aus dem Gesicht. Gut, das Geld ist mir jetzt erstmal egal. Das bekommt man schon irgendwo her. Aber der Streit hängt mir nach. Auch das wird sicher wieder werden. Ist halt ne blöde Stimmung gerade. Mähmäh.

Dann bekommt man den ganzen Tag Sachen mit, die man vielleicht lieber nicht wissen möchte, weil’s nur wieder aufregt. Aber dumm und glücklich ist nicht mein Credo. Was machen mit den Infos? Einfach zuhören und nichts machen? Intervenieren? Mich als einzelne Person geht’s nix an, aber dem Kollektiv tut’s nicht gut. Also geht’s mich doch was an. Ich denke, ich werde von mir aus nichts machen ohne darum gebeten zu werden. Was auch immer ich dann für Heldentaten vollbringen soll, ich werd mein Bestes geben und es versuchen.

Das Gewitter war toll. Irre laut und hat wohl wieder direkt neben uns eingeschlagen. Und es war so nötig. Die Luft stand ja förmlich heute. Und weil’s geregnet hat gab’s auch irre viele Schnecken. Diesmal hat mich mein Kollege und ein Freund dabei erwischt wie ich sie fotografiert hab, waren aber auch wieder schöne dabei. Wenn ich verstanden habe, wie ich hier Bilder implementiere zeig ich sie euch! Dann eben erstmal so: Hey, Schnecke!

Bin dann, um die Stimmung zu heben, durch Haidhausen spaziert. Und da schau her. Hat jemand am Weißenburer Platz mit Biene-Maja-Band eine riesen Blume und die Sonne auf den Platz geklebt. Toll! Ich bin n bissi rum geschlendert. An der Hilton Tiefgarage vorbeigekommen. Kennt ihr das wenn euch ein Geruch in die Nase strömt und ihr sofort – wenn auch etwas verschwommen – ein Bild, eine Stimmung oder eine Person im Kopf habt? Das war’s. Der Geruch der Tiefgarage (!) hat mich an die Zeiten erinnert als der Bene mich fast täglich mit dem Rad von der Isar heim gefahren hat. Auf „gefundenen“ Rädern. Uralte Teile, dieser Hüne Bene vorne und ich meist recht betrunken auf dem Gepäckträger, den Kasi haltend. Bis zu mir in den Radlkeller. Was für eine Gaudi das immer war.

Bin dann doch irgendwann heim nach Ottobrunn. Und da ist es schön. Die Luft war ganz klar und alles war ruhig, nur die Vögel – und ich hatte das Gefühl alle auf einmal – haben ein Konzert gegeben. Ich bin die 20 Meter ganz langsam gegangen um die Sänger nicht zu stören, hab hier und da mal an einer nassen Blüte gerochen und mich schon gefreut mal wieder hier zu sein.

So, und jeheeetzt werd ich nen Brief schreiben. Auf die Idee hat mich eine Bekanntschaft gebracht. Vielen Dank dafür ;) Wann hast du deinen letzten Brief geschrieben oder gar einen bekommen der keine elektronische Unterschrift trug?

Meisterbäcker oder „everybody hurts“

Sagt mal, dieses EHEC Ding… ist es nicht total seltsam, dass so ne Pest grad auftaucht, als das Land aus dem sie kommen soll eh schon am Boden liegt? Und wie sollen die Bakterien IN die Gewächshäuser gekommen sein? Ist es am End sogar so, dass die Arbeiter so unter Druck stehen und keine Zeit ham um auf’s Klo zu gehen. Ich mein, mit den Tagelöhnern auf den „Gemüse“-Plantagen Schrägstrich Gewächshäusern geht man ja nicht grad gut um.

Und selbst wenn hundertmal BIO draufsteht, sagt das nichts über die Bedingungen der Arbeiter aus. Also, einfach öfter Augen auf beim Gemüsekauf. Oder Obst, Brot, Eier. Ganz egal. Mehr Bewusstsein für das was man isst. Ich muss auf gar keinen Fall im Dezember Erdbeeren essen. Oder jeden Sonntag zwei Eier. Und wenn man schon Fleisch isst, dann wenigstens kurz innehalten und mal „Danke“ zu dem Tier sagen, das man gerade verspeisen will. Einfach um das Bewusstsein zu erlangen, dass es mal gelebt hat. Und zwar nicht für dich oder mich. Genauso wenig wie ich für meinen Arbeitgeber lebe.

Gestern hat mein lieber bester Freund festgestellt, dass die Menschen hier so unglaublich grantig sind. Viele gucken bös` und mosern. Moserst du auch zu viel? Und machst zu wenig?

Ich bin durch viele Ereignisse im letzten Jahr so viel lebenslustiger, aufmerksamer und freundlicher geworden. Aber auch unabhängiger von der Meinung anderer. Und dabei dachte ich bis dato, ich SEI schon unglaublich unabhängig :) Und hey, das macht Spaß. Da kommt so viel zurück. Und ich kann so vieles Entdecken. Jeden Tag! Egal wo!

Wie das geht? Das Patentrezept dafür muss ich erst noch backen. Aber ich kann erzählen wie ich es gemacht hab und eventuell auch warum.

Ein langer Sprint durch Barcelona

Laut waren wir. Wahnsinn. Ich bin alleine hingegangen, was ein Novum ist, weil die Kontaktfreudigste per se bin ich ja nicht. Und doch den ein oder anderen wiederkennt. Der Wasi, mit Kind. Da schau her. Heftigst gejodelt wurd, grad schee wars. Dann noch a Gstanzl hinterher. Und man sammelte sich. Langes warten auf… ich weiß es nicht. Aber die gute Laune hat das freilich nicht getrübt.

Unser Shouter hätte ein wahrlich leistungsstärkes Megafon verdient. Aber er hat seine Sache gut gemacht. Manchmal a wenig unsicher, aber das wär ich angesichts der Masse auch gewesen. Und er wurd ja später vom roten Feuerwehrler begleitet. Die musikalische Untermalung des Spektakels. Wobei wir mit unseren Pfeifferln an gscheidn Lärm gmacht ham. Und machmal zwar zaghaft aber dennoch oft laut: „Speku-lanten raus! Mie-ter rein“. Im Wechsel. Da kam man schonmal durcheinander, rein, raus… wer jetzt? Schön war die Überraschung der Bläserband mitten auf dem Weg. Sie hatten sich an einer winzig kleinen Kreuzung aufgebaut und uns mit richtig guter Musik begrüßt. Danke für das. Und ein ganz großes Danke an alle Veranstalter und Beteiligten, es war wirklich schön.

Ich hab eine Ausgabe von „Unser Viertel“ ergattern können, in der der Artikel „Ich hab ne Stadt zu retten! Kommst du mit?“ abgedruckt ist. Woah…

Ich bin dann wieder heimwärts, hatte noch zu tun. Und so bin ich die Pilgersheimer entlang gegangen. Hab mich an dies und das erinnert. Wie ich vor zehn Jahren dort vor der Schule von Nazis verprügelt werden sollte und mir meine erste Todesdrohung eingefagen hab. Wie ich so gut wie jeden Tag mit dem Bene an die Isar gefahren bin. Wie er sich seinen Iro das erste Mal hat Färben lassen in so nem Damenfriseur-Laden in der Nähe von der Burg Pilgersheim. Da hab ich dann doch den Kopf schütteln müssen. Mit der Katinka hab ich hinten an der Isar beim Schyrenbad ein echtes „Strohhaus“ gehabt im Dickicht. Da hat dann aber irgendwann wer drin geschlafen, dann wolltma da nimmer hin.

Und wieder ein wenig Flirtpraxis betrieben. Ein junger Mann beobachtete mich in der U-Bahn durch die Scheibe, ihr wisst schon dieses „sich im Spiegel heimlich beobachten“-Ding. Ich hab’s aber gemerkt und ihn ganz frech angelächelt. Er dann zurückgelächelt und wieder ich und alle so: yeah. Dann bin ich ausgestiegen und bin den Rest gelaufen. Immerhin. Ach ja, wenn du das liest, …gell.

So, jetzt mach ich die Augen zu und genieß‘ den Tinitus nach ne Weile.

Ach, der Titel ergibt übrigens keinen Sinn. Aber er wird verstanden, da bin ich sicher ;)

Lebst du noch oder hast du schon Spaß?

160.000 waren auf der Strasse und haben getanzt, ich war dabei! Es war wunderschön mit dem Demonstrationszug die Leopoldstrasse zu Peter Fox‘ „Alles neu“ lebendig zu machen. Eine junge Mutter mit blondem Kind auf dem Arm sprang tanzend an mir und meiner Mutter vorbei, voller Freude. Das ist es was gerade passiert. In mir. In euch auch? Ich will springen und tanzen und Frau Merkel zeigen, dass man mit laut lachen so viel weiter kommt als mit duckmäuserischem Schultern hochziehen.

Freude. Neben all dem was mir nicht passt habe ich eine wahnsinnige Lebenslust und bin so voller Liebe für’s Leben.

Wie viele Leute das gestern waren! So viele verschiedene Menschen. Kinder, so viele Kinder. Klasse. Und die hatten Spaß! Eine Demo die keinen Spaß macht ist keine Demo.

Und Schwabinger Flohmarkt war. Mei, war des schee! Habe die erste Staffel Twin Peaks ergattert und den Neid eines jungen Mannes auf mich gezogen. Ich hätte ihn wohl fragen sollen, ob wir es einfach zusammen angucken wollen. Aber mein Souffleur war grad nen Kaffee holen. So viele Tolle Sachen gesehen. Und wieder Spaß und gute Laune. Als der Regen kam sind wir in ein Café geflüchtet. http://www.bagelshop.de Dort kamen wir ins Gespräch mit einem Gast, der dort vor einiger Zeit mit Freunden jeden Freitag Jazzmusik gemacht hat. Kam wohl sehr gut an, und wieder: Spaß hat’s gemacht. Nur nicht dem KVR. Das wollte eine Lizenz. Keiner der Musiker hat Geld verdient, das war eine Jamsession unter Freunden für Freunde der Musik.. Den Hut haben sie kreisen lassen manchmal – um die Gema zu zahlen.

Ich liebe es durch München zu spazieren. Dabei schau ich mir alles an, immer wieder und es gibt jedes Mal etwas zu entdecken. Schonmal umstrickte Strassenschilder gesehen?

So, jetzt mach ich mich dann fertig für`s Giesiger Strassenfest. Ab 13 Uhr am Hans-Mielich-Platz. Weil, wie Joy Denalane grad so schön singt:

Niemand wird tun, was wir nicht tun.

Ich hab ne Stadt zu retten! Kommst du mit?

Ich bin jetzt dann gleich 30, aufgewachsen in Haidhausen und Giesing. Und meine Heimat ist noch immer da. Jetzt wohn‘ ich in Ottobrunn, weil München kann ich mir nimmer leisten. Ich erinner‘ mich gern dran wie ich als Kind durch Haidhausen gestreunt bin mit meinen Freunden, der Nicky, dem Markus, Eva, Katinka und all den anderen. Mal gab’s Streit, mal war man bestens befreundet. Hat sich angefeindet und vertragen. Da hat man Dramen erlebt. Vor allem mit den Erwachsenen. Was man da alles gesehen hat. Aber man hat auch gesehen, dass man sich hilft. Das man nicht alleine ist. Man kannte sich. Man schlug‘ und vertrug‘ sich. Oder nicht… Manche sind tot, manche verzogen. Aber immer noch da. Manche sieht man heut noch und kennt sich als wär nix dazwischen gewesen. Manche findet man bei Facebook wieder und ist gespannt auf eben die Geschichte dazwischen.

Jetzt wohn‘ ich da draussen – ist schön, keine Frage – und habe Sehnsucht nach der Heimat. Komm‘ ich dann her und schau und seh Zettel an den Bäumen hängen was wo weg soll und welcher Baum fällt dann frag‘ ich mich, „was hätten wir vor 22-23 Jahren gemacht?“ Man, wir wären auf die Barrikaden gegangen wenn jemand die Postwiese hätt‘ anfassen wollen! Meine Mama mit mir. Und wir hätten Lärm gemacht! Eine Mords Gaudi wär‘ des gewesen. Aber noch is nix verloren: Es dehnt sich eine Welle, immer weiter. Der Unmut nimmt seinen Lauf. Aus Untätigkeit wird Energie. Daran appelier‘ ich! Steht auf und wehrt euch!

Denn wo soll das hinführen? Ich male mir ein Szenario aus und es empört mich. Das Wort Gentrifizierung brennt sich in mein Hirn. Anonyme Investoren statt Nachbarn. Unser „Flair“ weicht dem Luxus. Die Schickeria wird von der „Prominenz“ verdrängt. Der Monaco Franze ersetzt durch Mario Barth? Das Sechz‘ger wird zum Bürotum mit Brücke zum Flaucher?

Nein! Zefix. Es reicht!

Was heißt das für den Münchner? Der bezahlbare Wohnraum ballt sich auf einige wenige Zentren in der Stadt, der Rest ist Luxus und Büro? Es ist erschreckend, dass in ganz München Künstler weichen müssen, Kneipen dicht machen, Menschen ihre Heimat verlassen weil sie sie sich nicht mehr leisten können. Schwabing, Giesing, Au, Domagkgelände, Schwabinger 7, Monopol, das Hotel Biss…. Es ist egal in welche Richtung ich blick‘ , ich seh‘ Beton und Glas. Nagelstudios und Matratzenläden. Was soll mir das sagen? Mach’s dir vorm Fernseher gemütlich aber seh‘ um Himmels Willen gut dabei aus? Na, danke. Da hab n anderen Plan:

Plätze schaffen und erhalten wo man sich hinsetzt und es kurz geniesst mal nix zu tun, einfach nur tief durchatmen und die Schönheit Münchens zu begreifen. Jeden Tag aufs Neue. Nur ein Augenblick Gemütlichkeit. Dann grantlt mich die Bedienung an und der Tag kann weitergehen. I woaß‘ scho….

Später rennen mich noch a paar Kinder um und flüchten laut kreischend. Auf nen Spielplatz. Mit Wiese und Sandkasten.

Jetzt klapp‘ ich das Laptop zu und zieh‘ mir mein Cape über:

Ich hab ne Stadt zu retten! Kommst du mit?

Buh! Nicht erschrecken, es wird noch schlimmer.

Heute hab ich mit einer Kollegin telefoniert, die mir mit Begeisterung davon erzählt hat, wie sehr sich ihr zweijähriger Sohn für alles Begeistern kann. „Kannst du das auch?“ hab ich gefragt :)

Könnt ihr das? Ich brauche manchmal für den Weg von der Firma bis zur U-Bahn satte 20 Minuten – es sind 100 Meter. Aber ich bleib ständig stehen. Ist auch unfassbar, was auf 100 Metern alles passieren kann. Da ist ein Vogel, der sitzt und mich beäugt. Der wunderschöne Garten mit dem tollen blauen Bagger im Blumenbeet. Und Eidechsen. Bei jedem Schritt raschelt eine im Gestrüpp. Und an einer Stelle sitzt bei Sonnenschein immer eine und sonnst sich. Ich freu‘ mich jedes Mal, wenn ich sie seh‘.

Als ich heute zur U-Bahn wollte hat es geregnet. Ich hab die Augen zu gemacht und die Tropfen auf meiner Haut gespürt. Sanfte Streicheleinheiten. Frische Luft, der Geruch von nassen Bäumen – pures Leben. In eine Pfütze gelaufen. Gut, wieder auf dem Weg neben der Bahnstrecke. Ich hab die Angewohnheit Schnecken mit Haus vom Weg zu retten. C. frug mich letztens woher ich denn wissen wolle, dass die Schnecke dorthin will wo ich sie hinsetz‘. Seitdem hab ich ein schlechtes Gewissen wenn ich sie vor den blinden Fußgängern und Radlgozillas retten will. Ich tu’s trotzdem, bis ich Feierabend hab, werd ich schon sehen ob sie wieder zurückkriecht.

Und da geh ich nun heute im Regen an der Bahnstrecke lang und war ein wenig bedrückt, dass ich dank des Regens wohl keine Eidechsen sehen werd, seh ich ne Schnecke auf dem Weg. Weggeräumt und in den wunderschönen Garten geguckt. Auf dem Zaun winzig kleine Schneckchen. Mit zylindrischen Häuschen. Recken den Kopf in die Luft und gucken sich um. Überall hingen sie rum. Und die Großen passten auf. Ich geh und mach Fotos und seh Immer mehr und wollt doch eigentlich nach Hause weil nass. Da seh ich eine knallorange Babyschnecke. Die Sonne ging auf… Knallorange! Eine tiefe Dankbarkeit, das sehen zu dürfen. Wunderschön. Leute gehen vorbei und sehen mich komisch an, dass ich im Regen steh und Schnecken fotografier. Ich werde aber nicht missionieren. Wer es nicht sehen will, der verpasst es halt. Aber immerhin hab ich es geschafft, dass sie hinter mir zurückfielen und sich vergewissert haben, ob ich tatsächlich Schnecken fotografiert hab. Sie haben sich umgesehen, ob nicht doch irgendwas spannendes drumrum lag. Da hab ich dann gleich nochmals grinsen dürfen. Fein.

So, als ich das eben M. erzählte, meinte er ich solle einen Blog schreiben. Ja, dann. Hallo hier bin ich.